Die Gartenlaube im Wandel der Zeit
Hält man einen Rückblick durch die Geschichte der abendländischen Baukunst, so erkennt man, daß die Laube, meistens als schmückendes Beiwerk, einen nicht unerheblichen Platz in der Gestaltung von Bauwerken einnimmt. Durch die Lage unserer Kolonie zu den Herrenhäuser Gärten sind uns hier besondere Anschauungsbeispiele gegeben. Lauben und Laubengänge waren nicht nur architektonische Zierden, sie dienten auch gesellschaftlichen Zwecken. Zur Zeit der Schäferspiele in fürstlichen Parkanlagen erfuhren sie ihre schönste und zierlichste Ausbildung.

Ihre Entwicklung in bäuerlichen und bürgerlichen Gärten folgte dagegen mehr der praktischen Seite. Hier war sie, um mit den Worten Wilhelm Buschs zu sprechen, der Ort, ,,wo das Gartenbaugerät, wohlverwahrt und trocken steht!" In zweiter Linie diente sie bei schlechtem Wetter als Aufenthaltsraum. Hier ist also die Wiege unserer heutigen Kleingartenlaube zu suchen.

In den sechsziger Jahren des 18. Jahrhunderts, als der Idee Dr. Schrebers folgend, dichtbesiedelte Laubenkolonien an den Stadträndern entstanden, erlebte der Laubenbau eine sprunghafte Entwicklung. Da die Gärten meist von mehrköpfigen Familien zur Aufbesserung ihre Ernährung gehalten wurden, war der Laubenbau mehr auf menschliche Belange ausgerichtet.

Bis in die heutige Zeit hinein bilden die Gärten am Stadtrand das Bauerwartungsland. Die unsichere Pachtzeit veranlaßte den Gartenfreund, mit dem billigsten Baumaterial, vornehmlich gebrauchtem Holz, so gut es ihm mit Hilfe seiner Nachbarn möglich war, mehr oder weniger schöne Lauben zu bauen.

Größe und Ausstattung richteten sich meistens nach der „Kinderwagenentfernung", die der Garten bis zur Wohnung hatte.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren war die Gartenromantik nicht gefragt. So wurden die Gartenlauben sogar für viele Menschen eine neue Heimat. Was hier als Behelf gedacht war, wurde vielfach zu einer Dauerlösung. Je nach der Kopfzahl der Familie wurde die bestehende Laube um einen Anbau nach dem anderen erweitert. Aus den Trümmern der Städte war das Angebot an Baumaterial groß.

Die zunehmende Freizeit, sowie die steigenden Anforderungen des Arbeitslebens und des Straßenverkehrs an den Menschen, lassen heute den Kleingarten mehr und mehr zur Stätte der Erholung für die ganze Familie werden. Darüber hinaus ist eine als ,,Öffentliches Grün" anerkannte Kleingartenanlage wie die unsrige, allen Freunden der Natur zum Schöpfen neuer Kräfte zugänglich. In solchen Kleingartenparks bildet die Laube ein bc'ebendes Element. Sie soll so gestaltet sein, daß sie sich in den Gesamtgarten einfügt, sich von ihrem Äußeren her nicht verstecken muß und einer mehrköpfigen Familie auch über das Wochenende genügend Platz bietet.

Die Einhaltung gewisser Grundbauformen läßt trotzdem einen Spielraum persönlicher Gestaltungswünsche offen. Wie wir in unseren einzelnen Kolonien sehen, werden hierzu schon sehr schöne Beispiele vorgestellt, die gestalterisch gut durchdachte Laubenbauten präsentieren und somit unserer Kleingartenanlage ein gutes Aussehen geben.